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Herzrhythmus- Störungen: Wann harmlos, wann gefährlich?

bearbeitet von unserem(r) Redakteur(in) Roland Bruzek

23.10.14




Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung, Michael
Wichert, 23.10.2014

Start der bundesweiten Herzwochen

Unter dem Motto Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen informiert die
Deutsche Herzstiftung vom 1. bis 30. November über Diagnose und Therapie
der Volkskrankheit / Mehr als 1.200 Veranstaltungen

Herzrhythmusstörungen sind weit verbreitet. Jährlich werden in Deutschland
über 400.000 Patienten wegen Herzrhythmusstörungen in eine Klinik
eingeliefert. Allein an der häufigsten Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern
leiden in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen. Oft besteht große
Unsicherheit darüber, ob Herzrhythmusstörungen harmlos oder
lebensbedrohlich sind und wie ihre Beschwerden gelindert oder beseitigt
werden können. Um über die heutigen Möglichkeiten der Diagnose und
Therapie sowie deren Nutzen und Risiken zu informieren, veranstaltet die
Deutsche Herzstiftung vom 1. bis 30. November die bundesweiten Herzwochen
zum Thema Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen mit über 1.200
Veranstaltungen. Ausgewiesene Herzspezialisten informieren in Herz-
Seminaren und im neuen Expertenratgeber der Herzstiftung über den
aktuellen medizinischen Kenntnisstand und neue Entwicklungen. Patienten
und Interessierte erreichen unter www.herzstiftung.de/herzwochen.html das
Info-Angebot zu den Aktionswochen mit aktuellen Veranstaltungsterminen.
Wer während der Herzwochen nichts verpassen will, abonniert den
kostenfreien Herzstiftungs-Newsletter unter www.herzstiftung.de
Unregelmäßigkeiten des Herzschlages können völlig normal sein. Jeder hat
irgendwann in seinem Leben mit Herzrhythmusstörungen zu tun. Ob
Herzrhythmusstörungen harmlos oder lebensbedrohlich sind, kann nur ein
Kardiologe nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden,
betont Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung und Kardiologe am Klinikum Stephansplatz in Hamburg. Der
Übergang zwischen normal und krankhaft ist fließend. Krankhaft bedeutet
nicht immer gefährlich. Selten sind Herzrhythmusstörungen Vorläufer eines
drohenden plötzlichen Herztodes. Oft liegt aber den Herzrhythmusstörungen
eine Herzkrankheit zugrunde. Sie beim Facharzt zu erkennen und konsequent
zu behandeln ist entscheidend.

Oft bringen Herzkrankheiten das Herz aus dem Rhythmus

Herzrhythmusstörungen sind in der Regel - wenn sie nicht angeboren sind -
keine eigene Erkrankung, sondern meistens die Folge von Herzkrankheiten.
Insbesondere Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit (KHK),
Herzklappenerkrankungen und Herzmuskelerkrankungen bereiten den Boden für
Herzrhythmusstörungen. Bei etwa 70 % der Patienten mit Vorhofflimmern
liegt Bluthochdruck vor. Auch andere Krankheiten wie
Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder chronische Lungenerkrankungen
gehen in erhöhtem Maße mit Vorhofflimmern einher. Entscheidend für den
Therapieerfolg ist die gezielte Behandlung der Grundkrankheit als
eigentliche Ursache der Rhythmusstörung.
Auch kann eine Störung der Zusammensetzung der Blutsalze (Elektrolyte)
durch Kalium- und Magnesiummangel sowohl gutartige wie auch bösartige
Herzrhythmusstörungen auslösen oder verstärken. Ebenso können sich
Genussgifte (größere Mengen von Alkohol, Kaffee, Nikotin), üppige
Mahlzeiten, Schlafmangel und Stress negativ auf den Herzrhythmus
auswirken.

Tückisch: Unbemerktes Vorhofflimmern - Schlaganfallgefahr!

Weil Vorhofflimmern bei der Hälfte aller Patienten ohne Beschwerden
auftritt, bleibt es oft unbemerkt. Unbehandelt sind diese Menschen
schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt, weil sie nicht durch
gerinnungshemmende Medikamente geschützt werden, warnt Prof. Meinertz.
Bei Vorhofflimmern ziehen sich durch das Flimmern die Herzvorhöfe nicht
mehr regelmäßig zusammen. Der Blutstrom verlangsamt sich, Blutgerinnsel
können sich bilden, die vom Blutstrom fortgeschwemmt Hirngefäße
verschließen: Schlaganfall. Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern ca.
30.000 Schlaganfälle. Um Vorhofflimmern aufzudecken, gibt es verschiedene
Möglichkeiten. Zum Beispiel sollte in jedem Haushalt ein
Blutdruckmessgerät vorhanden sein. Die meisten dieser Geräte können den
unregelmäßigen Herzschlag anzeigen, wenn man den Blutdruck misst.
Patienten können so Unregelmäßigkeiten des Pulses feststellen und sollten
dann den Herzrhythmus beim Arzt durch ein EKG überprüfen lassen, rät
Prof. Meinertz.

Fortschritte in der Therapie: Katheterablation, neue Gerinnungshemmer,
Psychokardiologie


Große Fortschritte sind besonders in der Therapie des Vorhofflimmerns zu
verzeichnen. Wenn bei Patienten trotz der Behandlung mit Medikamenten
erhebliche Beschwerden wie Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot, Druckgefühl
im Brustkorb, Schwindelgefühl oder Beeinträchtigung der körperlichen
Belastbarkeit entstehen, kommt die Katheterablation in Betracht. Dieses
Verfahren ist in der Medizin längst kein Neuland mehr. Erfahrene
Rhythmologen können bei Patienten mit anfallsweisem (paroxysmalem)
Vorhofflimmern nach einem einmaligen Eingriff eine Erfolgsrate von bis zu
70 % erreichen. Die Behandlung sollten nur dafür ausgewiesene
Spezialkliniken durchführen.

In der Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern stehen drei neue
Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung zur Verfügung: Pradaxa
(Wirkstoff: Dabigatran), Xarelto (Rivaroxaban) und Eliquis (Apixaban).
Diese sind den Medikamenten Marcumar/Warfarin in der Verhinderung von
Schlaganfällen gleichwertig. Blutungen - die häufigsten Nebenwirkungen
aller Gerinnungshemmer, auch von Marcumar - treten bei den neuen
Gerinnungshemmern nicht häufiger auf als unter Marcumar. Ein großer
Vorteil ist die Einfachheit der Handhabung und der fehlende Zwang, die
Gerinnung ständig zu kontrollieren. Ein weiterer Vorteil: Eingriffe können
in der Regel am nächsten oder übernächsten Tag durchgeführt werden, wenn
die Einnahme unterbrochen wird. Das Wichtigste: Auch die gefürchteten
Hirnblutungen treten deutlich seltener auf als unter Marcumar, stellt
Prof. Meinertz fest. Allerdings: Bei den neuen Gerinnungshemmern sind
manche Fragen noch offen, zum Beispiel zur Behandlung von schweren
Blutungen. Patienten, die mit Marcumar problemlos und sicher auf einen
INR-Wert 2-3 eingestellt sind, sollten bei Marcumar bleiben. Bei stark
schwankenden INR-Werten ist die Umstellung auf einen neuen
Gerinnungshemmer sinnvoll. Wenn ein Patient neu auf Gerinnungshemmer
eingestellt werden soll, spricht viel für die neuen Medikamente. Die
Therapieentscheidung, welches der neuen Medikamente eingesetzt wird,
sollte immer für jeden Patienten individuell getroffen werden, rät Prof.
Meinertz.
Schon vor der Behandlung mit den neuen Gerinnungshemmern sollten unbedingt
die Nieren- und Leberwerte überprüft werden. Während der Behandlung wird
empfohlen, die Nieren- und Leberfunktion mindestens einmal jährlich zu
kontrollieren, ebenso den Hämoglobinwert, um versteckte Blutungen
aufzuspüren.

Von der Kardiologie lange vernachlässigt, spielt die Psychokardiologie
eine immer wichtigere Rolle für die Behandlung von Patienten mit
Herzrhythmusstörungen. Bekanntlich können Stress und seelische Belastungen
Herzrhythmusstörungen auslösen oder verstärken. Psychokardiologen sind z.
B. wichtig, wenn Patienten unter Depressionen und Ängsten leiden, weil sie
die Schockabgaben ihres implantierten Defibrillators oder dessen Ausfall
fürchten.

Neuer Ratgeber
Für Patienten mit Herzrhythmusstörungen und ihre Angehörigen bietet die
Deutsche Herzstiftung anlässlich der bundesweiten Herzwochen den neuen
Experten-Ratgeber Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen heute (144 S.) an.
Leicht verständlich informieren renommierte Kardiologen, Herzchirurgen und
ein Psychokardiologe über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.
Der Band mit vielen wertvollen Tipps ist für drei Euro in Briefmarken
(Versand) erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e. V., Vogtstr. 50, 60322
Frankfurt/Main, oder unter www.herzstiftung.de/Herzrhythmusstoerungen-
Sonderband.html
Herzwochen-Veranstaltungen in Ihrer Nähe unter:
www.herzstiftung.de/herzwochen.html

30/2014

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert / Pierre König
Tel. 069/955128-114/-140
Fax: 069/955128-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de /
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.herzstiftung.de/herzwochen.html
http://www.herzstiftung.de/Herzrhythmusstoerungen-Sonderband.html

Zu dieser Mitteilung finden Sie Anhänge unter der WWW-Adresse:
http://idw-online.de/de/attachment39240
Info-Service und Internet-Links zum Thema Herzrhythmusstörungen

Quelle: Pressemitteilung:
http://idw-online.de/de/news609827

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