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erhöhte Fahrsicherheit für Parkinsonpatient(in)en

bearbeitet von unserem(r) Redakteur(in) Roland Bruzek

19.12.13




aus: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Christine Trowitzsch, 18.12.2013

Tiefe Hirnstimulation kann möglicherweise Fahrsicherheit bei
Parkinsonpatienten positiv beeinflussen


Die Tiefe Hirnstimulation (THS) kann sich möglicherweise positiv auf die
akute Fahrsicherheit und die generelle Fahrtauglichkeit von Menschen mit
einer Parkinson-Erkrankung auswirken. In einer Studie haben Patienten mit
einem sogenannten Hirnschrittmacher weniger Fehler beim Autofahren gemacht
als Patienten ohne ein entsprechendes Implantat. Die Studie von Forschern
des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ist jetzt in der Online-
Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Neurology nachzulesen.

Parkinson-Patienten dürfen nur bei erfolgreicher Therapie oder in leichten
Fällen der Erkrankung Auto fahren. So sehen es die Begutachtungs-
Leitlinien zur Kraftfahrereignung der Bundesanstalt für Straßenwesen vor.
Die Fahreignung muss krankheitsbezogen in Abständen von ein bis vier
Jahren ein Arzt oder Psychologe beurteilen. Leiden Parkinson-Patienten
unter Demenz, schweren motorischen Beeinträchtigungen wie Tremor, sehen
sie doppelt, können den Abstand nicht mehr richtig einschätzen oder ist
ihre Reaktion deutlich verlangsamt, dürfen sie nicht mehr Autofahren,
sagt Studienleiter Priv.-Doz. Dr. Carsten Buhmann, Leiter des Bereichs
Neurologie im Ambulanzzentrum des UKE. Auch Parkinson-Medikamente können
die Fahrtüchtigkeit zum Beispiel durch Verursachung von Einschlafattacken
oder Halluzinationen einschränken.

Bei der Tiefen Hirnstimulation sendet ein zuvor operativ eingesetzter
Hirnstimulator - ähnlich einem Herzschrittmacher - elektrische Impulse an
das Hirn. An der Studie haben 23 Parkinson-Patienten mit eingesetzten
Hirnschrittmachern, 21 Parkinson-Erkrankte ohne solche Implantate und 21
gesunde Menschen teilgenommen. Alle Probanden sind in den vergangenen drei
Jahren mindestens einmal pro Woche mehr als 30 Minuten Auto gefahren.
Getestet wurde in einem Simulator, wobei die Studienteilnehmer mit
Hirnstimulator den Test dreimal absolvierten: mit eingeschaltetem
Hirnschrittmacher, mit abgeschaltetem Implantat sowie ein weiteres Mal mit
abgeschaltetem Stimulator und nachdem sie das Parkinson-Medikament
Levodopa eingenommen hatten. Unter anderem wurde die Anzahl der leichten,
mittelschweren und schweren Fahrfehler gemessen. Geringfügige Fahrfehler
waren etwa leichte Geschwindigkeitsüber- oder -unterschreitungen. Zu den
schweren Fahrfehlern zählte beispielsweise das Nichtbeachten eines
Fußgängers.

In der Studie kam heraus, dass die Parkinson-Patienten mit Stimulator zwar
insgesamt langsamer und vorsichtiger fuhren, aber letztlich ähnlich sicher
wie die gesunden Teilnehmer aus der Kontrollgruppe. In der Kategorie
geringfügige Fahrfehler machten sie sogar weniger Fahrfehler als die
gesunden Probanden. Die Parkinson-Patienten mit Stimulator erreichten in
dieser Kategorie einen Durchschnittswert von 3,8. Die Kontrollgruppe lag
bei 7,5 und die Parkinson-Patienten ohne Stimulator erreichten im Schnitt
einen Wert von 11,4. Die Parkinson-Patienten ohne Hirnschrittmacher fuhren
schlechter als die gesunden Probanden und als die Patienten mit
Stimulator, obwohl sie weniger schwer und kürzer erkrankt waren. Zudem
fuhren die Parkinson-Patienten mit eingeschaltetem Hirnschrittmacher bei
vergleichbarer Motorik fehlerfreier als unter dem Einfluss des Parkinson-
Medikaments Levodopa. So machten sie mit eingeschaltetem Hirnstimulator 11
Fahrfehler. Im Vergleich dazu verursachten sie 13 Fehler nach
Medikamenteneinnahme sowie 14 Fehler ohne Medikament und mit
ausgeschaltetem Stimulator.

Unterm Strich steht für Neurologe Buhmann nach Auswertung der Studie fest:
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Parkinson-Patienten mit
Hirnschrittmacher schlechter Autofahren als Erkrankte ohne Implantat. Im
Gegenteil deuten die Ergebnisse der Studie daraufhin, dass sich durch eine
Operation einige Aspekte der Fahrsicherheit sogar verbessern können.
Patienten mit Tiefer Hirnstimulation sollten daher hinsichtlich der
ärztlichen Fahrberatung nicht restriktiver behandelt werden als andere
Parkinson-Erkrankte. Andererseits ist natürlich die Hoffnung auf besseres
Autofahren allein kein Grund für die Implantation eines
Hirnschrittmachers.

Die Studie wurde von der Hamburger Georg & Jürgen Rickertsen Stiftung
unterstützt.

Literatur:
Buhmann C, Maintz L, Hierling J, Vettorazzi E, Moll CKE, Engel AK, Gerloff
C, Hamel W, Zangemeister WH : Effect of subthalamic nucleus deep brain
stimulation on driving in Parkinson?s disease. Neurology 2014; 82:32-40,
Epub ahead of print am 18.12.2013.

Quelle: Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/de/news567154

Weitere Beiträge zum Thema:

Wirkung der Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson
Hirnschrittmacher hilft bei M.Parkinson
Parkinson-Krankheit: Durchbruch dank Gentherapie
Chinesisches Schattenboxen hilft Parkinson-Patienten

Früherkennung von Parkinson vor der Erkrankung

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