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26.09.2022
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Kann Alzheimer vorhergesagt werden ?

bearbeitet von unserem(r) Redakteur(in) Roland Bruzek

20.10.11




aus: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, Barbara Bachtler, 13.10.2011

MDC-Forscher entwickeln Vorhersagemodell für Alzheimer

Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin
haben erstmals ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem sich der
Beitrag genetischer Risikofaktoren bei der Entstehung der Alzheimer-
Krankheit bestimmen lässt (EMBO, doi:10.1038/emboj.2011.352*. Dieses
Vorhersagemodell lässt sich auch auf andere Risikofaktoren anwenden,
welche von zentraler Bedeutung für die Entstehung der Krankheit sind. Doch
erst, wenn es auch eine Therapie gegen Alzheimer gibt, ist es sinnvoll,
mit solchen Vorhersagemodellen Risikopatienten für eine frühzeitige
Behandlung zu identifizieren., sagt Prof. Thomas Willnow, einer der
Autoren der Studie.

Ausgangspunkt ihrer Modellrechnung ist das Transportmolekül SORLA, das
Nervenzellen produzieren. Es beeinflusst die Bildung gefährlicher
Eiweißablagerungen im Gehirn, die charakteristisch für die Alzheimer-
Krankheit sind. Diese Ablagerungen oder Plaques im Gehirn von Alzheimer-
Patienten bestehen aus Eiweißbruchstücken, den sogenannten Amyloid-beta
Peptiden, die aus dem Amyloid-Vorläufer-Protein (engl. Abk. APP)
entstanden sind und sich im Laufe vieler Jahre im Gehirn ablagern. Diese
Plaques zerstören die Nervenzellen betroffener Menschen, was zu einem
unheilbaren geistigen Verfall führt.

Vor einigen Jahren hatte Prof. Willnow gemeinsam mit Forschern aus
Dänemark entdeckt, dass das von Nervenzellen gebildete Molekül SORLA
(engl. für: sorting protein-related receptor) an das Vorläuferprotein APP
bindet. Damit verhindert SORLA, dass sich die gefährlichen
Eiweißbruchstücke bilden. Nach ersten Forschungen an Mäusen untersuchten
Prof. Willnow und seine Kollegen in Berlin die Gehirne von Menschen, die
an Alzheimer gestorben waren, und von Menschen, die nicht an Alzheimer
erkrankten. Sie identifizierten eine Genvariante für SORLA, welche bei
Alzheimer-Kranken sehr viel häufiger auftrat als bei Gesunden. Diese
Genvariante führte dazu, dass Nervenzellen deutlich weniger SORLA als
normal bilden.

Das deutet darauf hin, dass das Gehirn mancher Menschen zu wenig SORLA
produziert
und dass die damit verbundene ungebremste Produktion von
Amyloid-beta Peptid in diesen Patienten ein Risikofaktor zur Entstehung
von Alzheimer sein könnte. Schon 20 Prozent weniger SORLA, wirken sich
negativ auf die Funktion von Nervenzellen aus und erhöhen des
Krankheitsrisiko, erläutert Prof. Willnow.

Alzheimer ist das Paradebeispiel für eine Krankheit, bei der schon
kleinste quantitative Veränderungen dramatische Folgen haben, betont der
Forscher. Vorausgesetzt es gibt eine wirksame Therapie, könnten wir mit
unserer Modellrechnung abschätzen, ab welchem Produktionsgrad von SORLA
ein Risiko besteht, an Alzheimer zu erkranken. Dann könnte mit einer
wirksamen Behandlung frühzeitig gegengesteuert werden. An der Entwicklung
des Modells waren neben der Arbeitsgruppe von Prof. Willnow auch die
Biomathematikerin Dr. Jana Wolf vom MDC sowie Systembiologen der
Universität Rostock maßgeblich beteiligt.

*Quantitative modeling of amyloidogenic processing and its influence by
SORLA in Alzheimer?s disease
Vanessa Schmidt1, Katharina Baum1*, Angelyn Lao2*, Katja Rateitschak2,
Yvonne Schmitz2, Anke Teichmann3, Burkhard Wiesner3, Claus Munck
Petersen4, Anders Nykjaer4, Jana Wolf1, Olaf Wolkenhauer2,5? and Thomas E.
Willnow1?
1Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine and 3Leibnitz-Institut für
Molekulare Pharmakologie, 13125 Berlin and 2Department of Systems Biology
and Bioinformatics, Institute of Computer Science, University of
Rostock,18051 Rostock, Germany; 4MIND Center, Department of Biomedicine,
University of Aarhus, 8000 Aarhus C, Denmark; and 5Stellenbosch Institute
for Advanced Study (STIAS), Stellenbosch 7600, South Africa. *These
authors contributed equally to the study.

Barbara Bachtler
Pressestelle

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax:  +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/

Quelle: Pressemitteilung
http://idw-online.de/de/news445592

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