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Künstlicher Ersatz des Hüft- und Kniegelenkes ist eine Erfolgsgeschichte

bearbeitet von unserem(r) Redakteur(in) Roland Bruzek

05.02.16




aus: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V., Susanne
Herda, 05.02.2016 11:55

Künstlicher Ersatz des Hüft- und Kniegelenkes ist eine Erfolgsgeschichte

Der Hüft- oder Kniegelenkersatz befreit den Patienten von seinen Schmerzen
und sorgt für Mobilität bis in das hohe Alter. Der Gelenkersatz wurde in
der Fachzeitschrift „The Lancet“ 2007 nicht umsonst als „Operation des 20.
Jahrhunderts“ bezeichnet.(1) Nicht zu vernachlässigen in der Diskussion um
die Langlebigkeit und Qualität von Implantaten ist auch die Rolle des
Patienten. Während er sich von einer künstlichen Hüfte früher
hauptsächlich weniger Schmerzen erhoffte, erwartet er heute zusätzlich
mehr Mobilität und damit Lebensqualität. Da viele 75-jährige Patienten
heute fast genauso aktiv und sportlich wie 55-Jährige sind, muss eine
Prothese mittlerweile mehr leisten als früher.

Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie
e.V. (DGOU) hin.

Während von den Prothesen, die im Jahre 1993 eingebaut wurden, noch 92
Prozent nach 10 Jahren gut funktionierten, waren dies 10 Jahre später
bereits 95 Prozent. Die Haltbarkeit einer Prothese im menschlichen Körper
liegt heute in einer Vielzahl der Fälle bei 20 Jahren und mehr.(2) Der
Hauptgrund für den Austausch einer Prothese ist die Lockerung des
Implantates. Laut internationalen Registerdaten liegt ein
Implantatversagen nur in unter einem Prozent der Fälle vor.(2) Es gibt
jedoch aktuell wieder Meldungen über die angeblich hohe Anzahl von
Revisionseingriffen bedingt durch Produktmängel. „Produktmängel als
Hauptgrund für Revisionseingriffe in den Vordergrund zu stellen, ist
falsch. Die Endoprothetik ist ein sicheres Verfahren, Probleme sind die
Ausnahme“, sagt DGOU-Generalsekretär Professor Reinhard Hoffmann.

Circa 55 Prozent der Austauschoperationen erfolgen, weil sich die
Erstprothese gelockert hat. Dies passiert, weil sich der Körper bzw. die
Knochen um die Prothese herum verändern, beispielsweise durch den
altersbedingten Abbau der Knochensubstanz oder durch den Abrieb zwischen
den Gleitpartnern, so z. B. Kugel und Pfanne an der Hüfte. Durch ständig
verbesserte Materialien sinkt das Lockerungsrisiko. „Es ist völlig
natürlich, dass sich ein Implantat nach über 15 bis 30 Jahren lockert und
gewechselt werden muss“, sagt Professor Karl-Dieter Heller,
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik, einer
Sektion der DGOU.

Rund 390.000 Patienten bekommen jährlich in Deutschland ein neues Hüft-
oder Kniegelenk.(3) Etwa jeder zehnte Eingriff ist eine
Austauschoperation, bei der eine vorhandene Endoprothese durch eine neue
ersetzt wird. „Man kann die Erstimplantationen in einem Jahr nicht in
Relation zu den Austauschoperationen des gleichen Jahres setzen, da es
sich bei den Austauschoperationen um Prothesen aus den Jahren, ja
Jahrzehnten davor handelt“, so Heller.

Professor Carsten Perka, Sprecher des Executive Committee des EPRD und
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik stellt dazu klar:
„Eine Prothese, die ein Leben lang hält, wird es nicht geben.“(4)

Wenn auch im tiefen Promillebereich, so steht die versagende Endoprothese
im Fokus der Orthopäden und Unfallchirurgen. Die Deutsche Gesellschaft für
Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC) führte gemeinsam mit
Partnern aus dem Gesundheitswesen das Endoprothesenregister Deutschland
(EPRD) ein.(5) Das Register soll zukünftig aussagekräftige Auswertungen
ermöglichen: Zum Beispiel welche Prothesen in welcher Zusammensetzung
auffällig häufig Folge-OPs erfordern. Damit wollen die Experten
beispielsweise neu entwickelte Prothesentypen, deren Versagensrate über
dem Durchschnitt liegt, schneller identifizieren. Knapp 220.000
Operationen sind inzwischen im EPRD dokumentiert. Allein 2015 wurden mehr
als 140.000 endoprothetische Hüft- und Kniegelenkseingriffe in dem
Register erfasst und damit etwa ein Drittel aller bundesweit
durchgeführten Operationen.

Um mehr Qualität in der endoprothetischen Versorgung zu erreichen, führte
die DGOOC zudem das Zertifizierungssystem EndoCert ein. „Es ist das
weltweit erste Zertifizierungssystem in der Endoprothetik“, sagt DGOOC-
Generalsekretär Professor Bernd Kladny. Es fördert neben der
Implantatsicherheit ein ganzheitliches Qualitätsverständnis in der
Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Hüft- und Kniegelenks.
Bereits 438 deutsche Kliniken haben das Zertifizierungsverfahren EndoCert
erfolgreich abgeschlossen.

Hintergrund:
Das EPRD wird finanziell, organisatorisch und mit Know-how vom Verband der
Ersatzkassen (vdek), dem AOK-Bundesverband und dem Bundesverband
Medizintechnologie (BVMed) unterstützt. Beim Aufbau des Registers hatte
sich auch die Deutsche Arthrose-Hilfe engagiert. Vom
Bundesgesundheitsministerium erhielt das EPRD Fördermittel.
Als gemeinnützige GmbH und 100-prozentige Tochter der Deutschen
Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) ist das
EPRD ausschließlich wissenschaftlichen Grundsätzen verpflichtet.
Transparente Prozesse sowie die Unabhängigkeit und Neutralität der
Auswertungen sind wesentliche Rahmenbedingungen des EPRD.

Referenzen:
(1) The operation of the century: total hip replacement, The Lancet,
Volume 370, No. 9597, p1508–1519, 27 October 2007
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(07)60457-7/abstract

(2) Schwedisches Endoprothesenregister 2013

(3) Endoprothesenregister Deutschland
http://www.eprd.de/wir-ueber-uns/

(4) Endoprothetik – Zwischen Anspruch und Realität, Deutsches Ärzteblatt,
jg.113, Heft 3, 22. Januar 2016
http://www.aerzteblatt.de/archiv/173571/Endoprothetik-Zwischen-Anspruch-
und-Realitaet

(5) Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) – Statusbericht 2014 – mit
Sicherheit mehr Qualität.
http://www.eprd.de/fileadmin/Dateien/Medien/Publikationen_verschieden/EPRD_Statusberich_2014_FINAL_Online_Version.pdf

Weitere Informationen finden Sie unter

 

http://www.dgou.de
http://www.eprd.de
http://www.endocert.de

Quelle: Pressemitteilung: http://idw-online.de/de/news645629

 


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