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neues Schlüsselmolekül bei Asthmatherapie geunden

bearbeitet von unserem(r) Redakteur(in) Roland Bruzek

30.10.15




Forscher von UFZ und Uni Leipzig ist es gelungen, ein Molekül aufzuspüren, das bei der Entstehung von allergischem Asthma eine wichtige Rolle spielt

aus: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung -  UFZ, Susanne Hufe, 12.10.2015

Allergisches Asthma: UFZ-Forscher entdecken Schlüsselmolekül

Allergien kommen immer häufiger vor, insbesondere in den westlichen
Industrienationen. Neben Heuschnupfen zählt das allergische Asthma zu den
am weitesten verbreiteten allergischen Erkrankungen. UFZ-Forschern ist es
gemeinsam mit Kollegen der Universität Leipzig nun gelungen, ein Protein
aufzuspüren, das für die Entstehung von allergischem Asthma eine wichtige
Rolle spielt. Die Entdeckung könnte den Weg für neue Therapiemöglichkeiten
ebnen, da es auch den Krankheitsverlauf beeinflusst. Publiziert haben die
Wissenschaftler ihre Ergebnisse kürzlich im renommierten Fachjournal
Nature Communications.

Weltweit gibt es mehr als 300 Millionen Asthma-Patienten. In Deutschland
leiden 10 bis 15 Prozent der Kinder an allergischem Asthma, das unter
Einwirkung von Umweltschadstoffen häufig noch verstärkt wird. Mit den
heute zur Verfügung stehenden Medikamenten können die Krankheitssymptome
zwar wirksam gelindert, nicht aber die Ursache selbst bekämpft werden.
Denn wie es genau zu allergischem Asthma kommt, ist bislang noch nicht
vollständig geklärt. Tobias Polte und seinem Team vom Department
Umweltimmunologie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) ist es
in Zusammenarbeit mit Jan Simon und seinen Kollegen von der Klinik für
Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universität Leipzig in
ihrer in Nature Communications publizierten Studie nun gelungen, ein
Molekül aufzuspüren, das an der Entstehung von allergischem Asthma
maßgeblich beteiligt ist.

Das Protein mit dem Namen Syndecan-4 hat seinen Platz in der Zellmembran
so genannter Antigen-präsentierender Zellen (APCs). Das sind Immunzellen,
die körperfremde Stoffe (Antigene) aufspüren. Sie nehmen sie auf und
wandern zum nächstliegenden Lymphknoten, um sie dort auf ihrer Oberfläche
weiteren Immunzellen, den T-Lymphozyten, zu präsentieren. Damit setzen sie
eine Kettenreaktion in Gang, die die Sensibilisierung für ein bestimmtes
Antigen, wie beispielsweise einem Pollenallergen, initiiert. Bei erneutem
Kontakt mit diesem Pollenallergen treten dann die typischen Symptome von
allergischem Asthma auf. „In unserer Studie konnten wir zeigen, dass
Syndecan-4 für die Migration, also die Wanderung der Antigen-
präsentierenden Zellen im Gewebe eine zentrale Rolle spielt“, sagt Polte.
„Fehlt Syndecan-4, finden die APCs nicht den Weg zu den T-Lymphozyten und
können diese nicht aktivieren. Folglich wird auch die Kettenreaktion gar
nicht erst in Gang gesetzt, und die Sensibilisierung für ein Antigen
unterbleibt.“

In Untersuchungen an der Universität Leipzig konnten die Forscher
weiterhin zeigen, dass Syndecan-4 in den APCs auch beim Entzündungsprozess
des allergischen Asthmas eine zentrale Rolle spielt: So besserten sich die
Krankheitssymptome von Mäusen mit allergischem Asthma, wenn ihnen
Antikörper gegen Syndecan-4 gegeben wurden. „Syndecan-4 wäre prinzipiell
ein guter Ansatzpunkt für neue Therapiemöglichkeiten“, sagt Polte. „Da es
aber noch viele andere Funktionen im Zellstoffwechsel innehat, sind
mögliche Nebenwirkungen derzeit aber noch schwer abzuschätzen.“ Um die
Beschwerden von Patienten mit allergischem Asthma zu lindern, wird die
Behandlung der entzündeten Atemwege mit Glukokortikoiden und die
Verwendung eines bronchienerweiternden Asthmasprays auch in den kommenden
Jahren weiter im Vordergrund stehen. „Eine wirksame Therapie, mit der die
Ursache bekämpft werden kann, wird es erst geben können, wenn wir die
Zusammenhänge der Entstehung von allergischem Asthma besser verstanden
haben“, sagt Polte. „In unserer Studie konnten wir mit Syndecan-4 einen
wichtigen Baustein identifizieren, mit dem wir auf der Suche nach neuen
Therapiemöglichkeiten vielleicht schon ein Stück weitergekommen sind.“

Publikation:
Polte T, Petzold S, Bertrand J, Schütze N, Hinz D, Simon JC, Lehmann I,
Echtermeyer F, Pap T, Averbeck M. Critical role for syndecan-4 in
dendritic cell migration during development of allergic airway
inflammation Nature Communications 2015 Jul 13; 6:7554.
http://dx.doi.org/10.1038/ncomms8554

Die Studie wurde gefördert von der Helmholtz-Gemeinschaft und vom
Leipziger Zentrum für Zivilisationserkrankungen (LIFE).

Weitere Informationen:
PD Dr. Tobias Polte
Leiter einer Nachwuchsgruppe im Department Umweltimmunologie
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Tel.: +49 (341) 235 1545
http://www.ufz.de/index.php?de=17308
und
Prof. Jan C. Simon
Universitätsklinikum Leipzig AöR
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Tel.: +49 (341) 97 18603

oder über

Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Tel.: +49 (0)341-235-1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640
sowie
Diana Smikalla (Pressestelle Uni Leipzig)
Tel.: +49 (341) 97-15798
https://www.zv.uni-leipzig.de/service/presse/team.html

Arten der Pressemitteilung:
Forschungsergebnisse
Wissenschaftliche Publikationen

Sachgebiete:
Medizin
Umwelt / Ökologie

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.ufz.de/index.php?de=35154

.

 

Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/de/news639229


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