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12.12.2018
8 Uhr 30

 

 

 

 


Nervenschmerzen messen

bearbeitet von unserem(r) Redakteur(in) Roland Bruzek

20.05.15




Bildinfo: Mit Hilfe einer Thermode lassen sich Eigenschaften des Temperaturempfindens messen, z.B. ab welcher Temperatur Kälte und Wärme als schmerzhaft empfunden werden.

aus: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, Tanja
Schmidhofer, 20.05.2015

Nervenschmerzen messen – und den Behandlungserfolg des „Chili-Pflasters“
vorab einschätzen!

München, 20.05.2015. Mit der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) lässt
sich die Funktion von Nervenfasern genau analysieren. Damit gelang es
Mitgliedern des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz e.V.
(DFNS e.V.) in einer neuen Studie, nicht nur das Sensibilitätsprofil von
Patienten mit peripherem Nervenschmerz zu ermitteln. Sie konnten auch
zeigen, dass ein spezieller Schmerzphänotyp mit einer erfolgreicheren
Behandlung mit dem „Chili-Pflaster“ (Capsaicin 8%) einhergeht. Die
Ergebnisse stützen den mechanismen-basierten Leitgedanken des DFNS,
Nervenschmerzen gezielt gemäß ihrer Ursache zu behandeln.

Das hoch dosierte Capsaicin-Pflaster (8%) wird äußerlich auf der Haut
unmittelbar im Bereich der Nervenschmerzen appliziert. Es bewirkt eine
reversible funktionelle Desensibilisierung sehr dünner Schmerzfasern in
der Haut und damit eine lang anhaltende Linderung peripherer
Nervenschmerzen (außerhalb von Gehirn und Rückenmark). Bisher wurde
unzureichend untersucht, ob die Schmerzen nach Capsaicin Anwendung umso
stärker gelindert werden, je stärker der Funktionsverlust dieser sehr
dünnen Nervenfasern, der so genannten C-Fasern, ist. „Uns interessierte
darüber hinaus, ob die Wirksamkeit des Capsaicin-Pflasters bereits vor
Behandlungsbeginn einzuschätzen ist. Für beide Fragestellungen nutzten wir
die Quantitativ Sensorische Testung, kurz QST, um das Sensibilitätsprofil
von Patienten zu erheben und damit Veränderungen in der Funktion der
C-Fasern sowie weitere mögliche Prädiktoren zu analysieren“, so Dr. Tina
Mainka, Ruhr Universität Bochum (jetzt Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf).

Mit der QST zum Schmerzphänotyp

Bei 20 Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen nach
Nervenverletzung, Gürtelrose oder durch Polyneuropathie wurde die QST nach
DFNS-Standard vor der Capsaicin-Behandlung sowie zwei, vier, sechs und
acht Wochen danach durchgeführt. Mit sieben QST-Tests lassen sich so die
Wahrnehmung und das Schmerzempfinden für Kälte, Wärme, feine und spitze
Berührungen sowie Vibration und Druck pro Testareal in etwa 30 Minuten
erheben. Damit erhält man eine genaue Analyse der schmerzhaften
sensorischen Symptome und sensiblen Defizite eines Patienten.

Vorab zur Therapiewirksamkeit

Obwohl die Fähigkeit Wärme wahrzunehmen zwar bei allen Patienten acht
Wochen nach Capsaicin-Therapie signifikant abnahm, was für den
Funktionsverlust von C-Fasern spricht, ließ sich kein Zusammenhang mit dem
Grad der Schmerzlinderung ermitteln. Prof. Christoph Maier, Ruhr
Universität Bochum: „Wir konnten allerdings mit 100 prozentiger Spezifität
Patienten, die auf die Capsaicin-Therapie ansprachen, identifizieren. Eine
Hyperalgesie, also eine Überempfindlichkeit auf Kälte- sowie stumpfe
Nadelreize vor Therapiebeginn war wegweisend. Liegen diese beiden
Kriterien vor Behandlungsbeginn vor, lässt sich offenbar vorhersagen, ob
ein Patient auf das Capsaicin-Pflaster anspricht.“ Die Studie ist damit
ein wichtiger Schritt in Richtung einer möglichst zielgerichteten
mechanismen-basierten Therapie für den individuellen Patienten, die sich
nicht nur an der Grunderkrankung ausrichtet.

Literatur (doi: 10.1002/ejp.703:
Mainka T et al. (2015) Presence of hyperalgesia predicts analgesic
efficacy of topically applied capsaicin 8% in patients with peripheral
neuropathic pain.Eur J Pain.[Epub ahead of print]

Bildmaterial zur QST zum Download unter:
http://www.neuropathischer-schmerz.de/presse/fotoserie_QST.html

Über den DFNS e.V.:
Ziel des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS
e.V.) ist, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen
grundlegend zu verbessern. Im Fokus stehen die Optimierung einer
qualitativ hochwertigen Diagnostik sowie der Therapie- und
Versorgungsforschung neuropathischer Schmerzen. Der gemeinnützige Verein
ist Nachfolger des DFNS, der von 2002 bis 2012 vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Die Geschäftsstelle ist am
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München angesiedelt.

Kontakt:
Dr. med. Tina Mainka
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
e-mail: t.mainka@uke.de

Quelle: Pressemitteilung erhalten Sie unter:

http://idw-online.de/de/news631372


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