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23.02.2012
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Ruhigstellung eines Armes verändert das Gehirn in wenigen Tagen

bearbeitet von unserem(r) Redakteur(in) Roland Bruzek

17.01.12




aus: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universität Zürich, Nathalie Huber, 17.01.2012

Arm im Gips verändert Hirn in 16 Tagen

Wer nach einem rechten Oberarmbruch nur noch die linke Hand benutzt, hat
bereits nach 16 Tagen markante anatomische Veränderungen in bestimmten
Hirngebieten. Forschende der Universität Zürich belegen: Die Dicke der
linksseitigen Hirnareale wird reduziert, hingegen vergrössern sich die
rechtsseitigen Areale, die die Verletzung kompensieren. Auch die
Feinmotorik der kompensierenden Hand verbessert sich deutlich. Die
Studienresultate sind bedeutend für die Therapie von Schlaganfällen, bei
der die Ruhigstellung eines Armes oder Beines zentral ist.

Was passiert im Hirn von Rechtshändern, wenn deren dominante Hand für zwei
Wochen immobil ist? Diese Frage behandelt die neue Studie unter Leitung
von Prof. Lutz Jäncke und der Unfallchirurgie des Universitätsspitals
Zürich. Für die Studie wurden 10 Rechtshänder mit gebrochenem rechten
Oberarm untersucht. Wegen des Gips oder einer Schlinge konnten die
Versuchspersonen während 14 Tagen ihre rechte Hand nicht oder nur wenig
bewegen. Sie benutzten daher für alltägliche Handlungen wie Essen,
Zähneputzen oder Schreiben ihre linke Hand. Die Gehirne der Personen
wurden zweimal durch eine Magnet-Resonanz-Tomografie aufgenommen; zuerst
48 Stunden nach der Verletzung, das zweite Mal 16 Tage nach der
Ruhigstellung des Armes. Darauf basierend analysierten die
Neuropsychologen die graue und weisse Hirnsubstanz der Versuchspersonen.
Sie berechneten die Dicke der Hirnrinde sowie die Werte des
corticospinalen Traktes und massen die Feinmotorik der linken
freibeweglichen Hand.

Umlagerung der Hirnsubstanz
Die Ruhigstellung der rechten Hand verändert in Kürze die sensorischen
und motorischen Hirnareale, so der Studienautor Nicki Langer. Die graue
und weisse Hirnsubstanz der Motorareale in der linken Hirnhälfte, die die
ruhiggelegte rechte Hand kontrollieren, nimmt ab. Hingegen wächst die
Hirnsubstanz der rechten motorischen Areale, die die untergeordnete linke
Hand kontrollieren. Interessant ist, dass sich während der 16 Tage
dauernden Ruhigstellung die Feinmotorik der linken Hand deutlich
verbessert hat, ergänzt der Neuropsychologe Lutz Jäncke. Die motorische
Leistungsverbesserung korreliert mit den anatomischen Veränderungen: Je
besser die feinmotorischen Fähigkeiten der linken Hand, desto mehr
Hirnsubstanz im rechten motorischen Areal. Und: Je besser die Feinmotorik
der linken Hand, desto weniger Hirnsubstanz im linken motorischen Areal.

Therapeutischer Nutzen
Die Studienresultate sind für die Therapie von Schlaganfällen interessant.
So wird beispielsweise bei einem Therapieansatz der unbeschädigte Arm
ruhiggestellt, um den betroffenen Arm zu stärken und das entsprechende
Hirnareal für neue Fähigkeiten zu stimulieren. Unsere Studie zeigt, dass
diese Art der Therapie sowohl positive als auch negative Effekte hat,
sagt Langer. Zudem stützt unsere Studie die Richtlinien der
Traumachirurgie, die vorschreiben, dass ein verletzter Arm oder ein
verletztes Bein nur so kurz wie möglich, und so lang als notwendig
ruhiggestellt werden soll, schliesst Langer.

Literatur
N. Langer, J. Hänggi, N.A. Müller, H.P. Simmen, and L. Jäncke. Effects of
limb immobilization on brain plasticity. Neurology. January 17, 2012. doi:
10.1212/WNL.0b013e31823fcd9c

Kontakte:
Nicki Langer
Psychologisches Institut / Neuropsychologie
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 73 96
E-Mail: n.langer@psychologie.uzh.ch

Prof. Lutz Jäncke
Psychologisches Institut / Neuropsychologie
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 74 00
E-Mail: l.jaencke@psychologie.uzh.ch


Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.mediadesk.uzh.ch - Medienmitteilung

Quelle: Pressemitteilung:
http://idw-online.de/de/news459339
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