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Datum:
23.02.2012
2 Uhr 1

 

 

 

 


Mit grünem Tee und Laserlicht gegen Alzheimer

bearbeitet von unserem(r) Redakteur(in) Roland Bruzek

15.01.12




aus: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universität Ulm, Annika Bingmann, 11.01.2012

Neuartiger Alzheimer-Therapieansatz: 

Mit einem Extrakt aus grünem Tee (Epigallocatechingallat, EGCG) und rotem
Laserlicht wollen Forscher um den Ulmer Wissenschaftler Dr. Andrei Sommer
die Alzheimersche Krankheit besiegen. Dank der ungewöhnlichen
Kombinationstherapie konnten sie die für Morbus Alzheimer typischen Beta-
Amyloid-Plaques (A&946;) im Modell-Experiment um mehr als 60 Prozent
verringern.

Diese Ablagerungen stören die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im
Gehirn und verursachen so die bekannten Symptome der Krankheit. Die
Erkenntnisse der Forscher sind jetzt in der Fachzeitschrift Photomedicine
and Laser Surgery veröffentlicht worden.

Die Idee für den neuartigen Therapieansatz ist bei der Grundlagenforschung
am Institut für Mikro- und Nanomaterialien, Fakultät für
Ingenieurwissenschaften und Informatik der Universität Ulm, entstanden:
Materialwissenschaftler und Ingenieure hatten bei der Untersuchung von
nanoskopisch dünnen Wasserschichten auf nanokristallinem Diamant
festgestellt, dass sich diese bei Bestrahlung mit rotem Laserlicht
ausdehnen. Nach Ende der Laserbestrahlung ziehen sich die Wasserschichten
wieder zusammen. Diese Erkenntnisse gelten auch für Wasserfilme in
lebenden Zellen. Beim Zusammenziehen können die Zellen Substanzen aus der
unmittelbaren Umgebung aufnehmen.
Kurz zuvor war in Modell-Experimenten gezeigt worden, dass die Substanz
EGCG A&946;-Ablagerungen bekämpft. Jetzt haben die Forscher diese beiden
Erkenntnisse kombiniert und auf menschliche Neuroblastomzellen übertragen.

Im Modell-Experiment haben sie Neuroblastomzellen, die A&946; im Zellinneren
angereichert hatten, EGCG ausgesetzt und mit Laserlicht der Wellenlänge
670 Nanometer bestrahlt. Bereits die EGCG-Behandlung konnte
A&946;-Ablagerungen um die Hälfte reduzieren. Eine Minute alleinige
Laserbestrahlung führte zu einer Verringerung von 20 Prozent. Nach der
Kombinationsbehandlung aus EGCG und rotem Laser wiesen die Forscher rund
60 Prozent weniger Ablagerungen nach. Genaue Mechanismen sind Gegenstand
weiterer Forschung.
Laserstrahlen im Bereich Rot bis Nahinfrarot wirken durch mehrere
Zentimeter Gewebe und sogar durch die Schädeldecke hindurch. Laserlicht
in diesem Bereich wird bereits seit Jahren klinisch eingesetzt. In
Kombination mit EGCG und anderen potentiellen A&946;-Zerstörern bieten sich
vielversprechende Forschungsmöglichkeiten - mit dem Ziel A&946;-Ablagerungen
im Gehirn zu verringern, sagt Andrei Sommer.

Die Ergebnisse zeigen zahlreiche Anknüpfungspunkte für hoch
interdisziplinäre wissenschaftliche Projekte auf, bekräftigt Professorin
Iris-Tatjana Kolassa, Leiterin der Abteilung Klinische und Biologische
Psychologie der Universität Ulm. Gerade die neuartige Kombination von
materialwissenschaftlicher, psychologischer und medizinischer
Grundlagenforschung könne zukünftig zu völlig neuen Ansätzen in der
Behandlung altersbedingter Erkrankungen wie beispielsweise der Alzheimer
Demenz führen.

Neben Andrei Sommer waren an dem Projekt Professor Hans-Jörg Fecht und Dan
Zhu von der Universität Ulm beteiligt. Sie haben eng mit Forschern der
Universität Heidelberg sowie des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare
Medizin in Berlin zusammengearbeitet.
Das aktuelle Projekt wurde zum Teil von der Helmholtz-Allianz für Geistige
Gesundheit im Alter  (HelMA), von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
gefördert.

Andrei P. Sommer, Jan Bieschke, Ralf P. Friedrich, Dan Zhu, Erich E.
Wanker, Hans J. Fecht, Derliz Mereles, and Werner Hunstein. 670 nm Laser
Light and EGCG Complementarily Reduce Amyloid-&946; Aggregates in Human
Neuroblastoma Cells: Basis for Treatment of Alzheimers Disease?
Photomedicine and Laser Surgery. January 2012, 30(1): 54-60.
doi:10.1089/pho.2011.3073

Weitere Informationen: Dr. Andrei Sommer, E-Mail: andrei.sommer@uni-ulm.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.liebertonline.com/doi/abs/10.1089/pho.2011.3073

Bild:
Mikroskopische Bilder menschlicher Neuroblastomzellen. Zellkerne Fluoreszenzmarkierte A&946;-Ablagerungen (gelb) Foto: Uni Ulm

Quelle: Pressemitteilung:
http://idw-online.de/de/news458546


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